Im Sturmwind gehämmert, aus Eichenholz schwer
Ein Rumpf wie ein Grabmal, vom Salze verzehrt
Die Segel voll Wut, die Taue aus Zorn
Geboren aus Nebel, aus Eis und aus Dorn
Ein Banner wie Blut, im Nordwind entfacht
Der Donnergott ruft uns in endloser Nacht
Wir fahren gen Sturm, mit dem Tode verwandt
Die Ruder sind Flüche, die Klingen zur Hand
Der Rumpf ächzt wie Stimmen, die keiner mehr kennt
Die Planken, sie flüstern – vom Ende, das brennt
Die Taue wie Schlingen, die Segel wie Haut
Ein Schiff wird zum Wesen, das stumm, uns vertraut
Es frisst uns, es trägt uns, es kennt unser Blut
Geboren aus Schuld, aus Stahl und aus Wut
Ein Sarg ohne Boden, ein Mahl ohne Licht
Ein Fluch, der uns segnet – mit seinem Verzicht
Auch wenn man es nicht besser wüsste
Segeln wir bis hin zum Weltenrand
Von Germaniens eis'ger Küste
Bis hin zu Islands schwarzen Strand
Und in Sturmes fester Hand
Segeln wir bis zum Rand der Welt
Gestrandet dann auf schwarzem Sand
Oder an schroffen Felsen zerschellt
Kein Stern weist uns den Weg durch das Grau
Der Nebel frisst das letzte Licht
Der Rumpf ächzt schwer im Wogenbau
Doch Umkehr gibt es für uns nicht
Ein Ruder bricht, das Holz zerspringt
Ein Mann geht lautlos über Bord
Ein Ruf, der in der Gischt ertrinkt
Bleibt uns als einz’ges letztes Wort
Im Traum erscheint ein Feuerglanz
Ein Land aus Stein, von Eis umhüllt
Ein Rabe kreist im Totentanz
Die Zeit steht still, die See ist wild
Ein Nordlicht zuckt am Himmelszelt
Wie Runen aus vergessener Zeit
Als ob der Schleier sich erhellt
Und uns ein neues Ziel verleiht
Doch schnell verglimmt der leise Schein
Die See bleibt tief, der Kurs bleibt blind
Kein Glaube schützt vor Angst und Pein
Wenn selbst die Ahnen schweigend sind
Die Winde zerspringen, der Mast bricht in zwei
Der Tod steigt zu uns aus Wellen herbei
Wir schlagen auf Kämme aus blitzendem Zorn
Doch jeder, der fiel, war als Krieger gebor’n.
Jetzt treiben wir ewig – kein Land in Sicht
Ein Geistergeschwader im Totenlicht
Und manchmal, da hört man im Nordwind den Klang
Von Liedern die man in der Heimat noch sang
Die Knochen sind mürbe, das Fleisch ist schon fort
Wir tragen nur Schatten an diesem Ort
Kein Singen, kein Fluchen, kein Funken mehr Glut
Nur rostende Ketten und geronnenes Blut
Der Mast knarrt Gebete, die niemand erhört
Der Kiel wie ein Grabstein, von Wellen zerstört
Wir sind keine Männer, kein Fleisch, kein Verstand
Nur Seelen im Holz, gebunden ans Land
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